„Das soll uns mal einer nachmachen!“

„Das soll uns mal einer nachmachen!“

Hochmoderne Fördertechnik nach deutschen Qualitätsstandards aus Thailand

Seit nunmehr 24 Jahren produziert Transnorm in Asien im Wesentlichen für den asiatisch-pazifischen Markt. Nun hat der Fördertechnikspezialist aus Deutschland in Thailand ein komplett neues Werk errichtet. Die Produktion läuft bereits seit September 2017, die offizielle Eröffnung ist für November 2017 geplant. Hebezeuge Fördermittel durfte bereits einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Joachim Michael Gutmayer ist sichtlich stolz. Der Manager zeigt auf das 10.000 Quadratmeter große Areal. Nur wenige Wochen noch, dann ist die Halle komplett eingerichtet. Dann fährt die Produktion, die bereits seit September 2017 läuft, hier unter Volllast. Gutmayer, Operations Director bei Transnorm System Co., Ltd in Thailand, erwartet nun eine deutlich höhere Produktionskapazität und eine weitere Reduktion der Lieferzeiten bei der bekannt hohen Qualität.

Zentrales Produktionswerk

Doch der Reihe nach. Transnorm, Spezialist im Bereich Fördertechnikmodule, ist seit 1993 im asiatischen Markt aktiv. Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Harsum (nahe Hannover) hatte seinerzeit in Kluang (Malaysia) ein Werk errichtet. Von dort aus wurden seitdem Kunden im gesamten asiatisch-pazifischen Raum beliefert. Im Jahr 2015 – der Erwerb von Sovex, einem Hersteller von Teleskopförderern, war bereits abgeschlossen – entschied man, in Thailand ein neues zentrales Produktionswerk in Asien aufzubauen.

Peter van der Klooster, Sales Director Asia-Pacific und seit über 20 Jahren im Vertrieb von Transnorm tätig, findet den neuen Standort in Bang Bo in Bangkok „ideal“. 20 Kilometer vom internationalen Flughafen Suvarnabhumi und knapp 60 Kilometer vom nächsten Überseehafen entfernt, „besser geht es nicht“, sagt der Holländer, der seit Anfang 2014 auch in Asien aktiv ist. Etwas mehr als ein Jahr habe man für das gesamte Projekt benötigt. Der Startschuss fiel am 1. August 2016, die ersten Produkte verließen bereits im September 2017 das neue Werk. Seit Ende Oktober 2017 läuft die Produktion auf Hochtouren.

Hochmodernes Produktions- und Qualitätsmanagement

Rückblick: „Es ist nahezu unmöglich, hier ein richtiges Produktionsgebäude zu finden, das man entsprechend umbauen und dann nutzen kann“, erzählt Joachim Gutmayer, der selbst seit 1996 in Thailand lebt und in dieser Zeit in zwölf verschiedenen asiatischen Staaten beruflich aktiv war. „Wir haben letztlich eine leere Lagerhalle gemietet und dann mit der kompletten Neukonzeption unserer Produktion begonnen.“ Das Ergebnis: ein exakt an die örtlichen Notwendigkeiten angepasstes Layout sowie die komplette Integration eines hochmodernen Produktions- und Qualitätsmanagements. Hinzu kommt eine deutliche Steigerung der Kapazität. Während man bei den Transnorm-Gurtkurven von einer Erhöhung um über 30 Prozent ausgeht, erwartet Joachim Gutmayer bei den Schrägförderern und den Sovex-Teleskopförderern einen Anstieg um jeweils 100 Prozent. „Eine Herausforderung, die wir hervorragend gelöst haben“, frohlockt der Manager. „Das soll uns erst einmal einer nachmachen!“

Der Umzug von Malaysia nach Thailand erfolgte nach Worten Gutmayers „nicht überlappend“. Daher hätten zwei zentrale Fragen in diesem Zusammenhang im Mittelpunkt gestanden: „Wie bekommen wir die Maschinen ohne einen negativen Einfluss der Lieferzeiten nach Thailand? Und wie kann das Wissen hierher transferiert werden?“

Da die Produktion auch in Asien europäischen Standards entspricht, könne beispielsweise bei Engpässen in der Herstellung auch das Hauptwerk in Deutschland einspringen. Gutmayer: „Genau diesen Vorteil von Transnorm haben wir in den Wochen des Komplettumzugs genutzt.“ Ohne wesentlichen Einfluss auf die Lieferzeiten. Auch in Sachen Wissenstransfer fand man eine pragmatische Lösung. Für – zunächst – ein Jahr wechselten 20 malaysische Angestellte an den Standort Bang Bo. „Im Moment haben wir hier 120 Mitarbeiter aus insgesamt sieben Nationen.“

„Für uns optimale Fertigungstiefe“

Doch allein wegen der Standortvorteile erfolgte die Verlegung der kompletten asiatischen Produktion von Malaysia ins nördlich angrenzende Thailand nicht. Auch die Produktion wurde umgekrempelt, noch einmal deutlich modernisiert. Prägnantestes Beispiel: Bisher kaufte man 85 Prozent der Bestellteile für die Herstellung der Transnorm-Produkte und sogar 100 Prozent für die Sovex-Produkte hinzu. Das Verhältnis hat sich nahezu komplett gedreht. „Mit der Errichtung unserer neuen Produktion hier in Thailand“, erzählt Gutmayer, „erreichen wir nun eine für uns optimale Fertigungstiefe.“ Was auch das Thema Qualitätsmanagement deutlich vereinfacht und verbessert.

Ein wesentlicher Grund für die deutlich höhere Fertigungstiefe ist die Investition in neue hochmoderne Maschinen. Beim Rundgang durch die Produktion steuern Joachim Gutmayer und Peter van der Klooster mit ihrem Gast zunächst stante pede auf eine nagelneue Lasermaschine zu. Man fühlt sich, während man den 4-kW-Laser beim Zuschneiden der Teile beobachtet, direkt in eine hochmoderne europäische Produktion versetzt. Völlig zu Recht: Die Maschine stammt von LVD, einem High-Tech-Unternehmen aus Belgien, und verfügt über einen besonderen Arbeitstisch, der mit seinen zwölf Metern Länge in Südostasien seines Gleichen suche. Gutmayer: „Ich kenne niemanden in Thailand und darüber hinaus in der Region, der über eine Maschine mit einem solch langen Arbeitstisch verfügt.“

Weiter geht es zur neuen Biegemaschine. Was auf den ersten Blick profan klingen mag, stellt sich als „Umformen auf dem höchsten Stand der Technik“ (Gutmayer) heraus. Hier werden unter anderem die Profile für die Kurventechnik mit einem Druck von 320 Tonnen gebogen – auf einem Teil der Maschine. Bei der Biegemaschine, ebenfalls von LVD, handelt es sich um eine so genannte Tandemmaschine. Das heißt, sie verfügt über zwei identische Arbeitsplätze, die gegebenenfalls auch kombiniert werden können. Dann erhöht sich die Biegekraft auf insgesamt 640 Tonnen.

Deutsche Qualität aus Thailand

Stichwort Gurtkurven: Hier hat Transnorm in seiner Produktion in Asien mittlerweile von Stahl auf das besser recycelbare Aluminium umgestellt. Joachim Gutmayer: „Wir haben die Produktion der Kurven und Merges an die Technik aus Deutschland angelehnt.“ Im Klartext heißt das: Die Produkte, die nun das neue Werk in Thailand verlassen, besitzen dieselben Standards wie in Deutschland und können bei Bedarf an die Bedürfnisse des asiatischen Marktes angepasst werden.

Das kommt nun auch den Kunden in der Region zu Gute. Transnorm beliefert, auch hier in Asien, sowohl Integratoren als auch Endkunden. Hinzu kommt nach Aussagen van der Kloosters, dass sich die Schwerpunkte in den Branchen teilweise verschieben. Während man bei den Flughäfen, traditionell eine Stärke von Transnorm, weiterhin auf hohem Niveau agiert, werde dieser Bereich zurzeit von Parcel Express sogar noch überholt. Zudem sei neben Parcel auch E-Commerce mittlerweile ein starker Wachstumstreiber. Peter van der Klooster: „Was in Deutschland Deutsche Post DHL in diesem Feld macht, machen die lokalen Paketdienstleister hierzulande mittlerweile auch.“ Und gibt sich beim abschließenden Blick in die neue Produktion zuversichtlich: „Wir sind für die Zukunft bestens gerüstet!“ Ins gleiche Horn stößt auch Joachim Gutmayer. Man habe das Werk selbstverständlich auf Zuwachs geplant, sei aber auch für mögliche Veränderungen bei den Marktanforderungen an die Produkte gewappnet. Jan Kaulfuhs-Berger

Hebezeuge Fördermittel 12/2017 PDF-Download (1.44 MB) Autor: Jan Kaulfuhs-Berger