„April, Shanghai!”

„April, Shanghai!”

Peter Kazander über Chancen und Wege, Messen erfolgreich im Ausland zu platzieren.

Er wollte eigentlich in den Ruhestand gehen. Aber nein, das Projekt lässt ihn nicht los. Nachdem vor vier Jahren die Logimat China in Nanjing aus der Taufe gehoben wurde, über die Zeit aber nicht so recht zum Laufen kam, startet Peter Kazander hiermit nun noch einmal durch. Vom 15. bis 17. April 2019 findet die Logimat China, nun erstmals, in Shanghai statt – weitere Expansion nicht ausgeschlossen. Über die Hintergründe hat Hebezeuge Fördermittel mit dem vormaligen Logimat-Messechef gesprochen.

Leser- und Delegationsreise - Den chinesischen Markt im Rahmen einer Keserreise kennenlernen

Die Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH plant mit weiteren Partnern eine Leser- und Delegationsreise zur Messe Logimat China und Transport Logistik China 2019.  Im Rahmen dieser Reise bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, sowohl den chine­sischen Markt als auch das Land selber kennenzulernen, sich über Branchentrends und Geschäftsfelder zu informieren sowie Kontakte zu potentiellen Partnern und Kunden zu knüpfen.
Das Angebot richtet sich an mittlere und große Unternehmen. Im Mittelpunkt des Programms stehen, neben dem Besuch der Messen, die persönliche Kontaktaufnahme. Hierdurch können Chancen und Potentiale erkannt und neue persönliche Möglichkeiten eruiert werden. Ergänzend zu den beiden Messen sollen ein Logistiklager, ein Produktionsstandort und die Häfen in Shanghai besucht werden.  Detaillierte Informationen hierzu im Heft 11/12-2018.

Jan Kaulfuhs-Berger: Die Cemat hat derzeit nicht nur mit ihrer Reputation zu kämpfen, sondern auch mit dem Argument, das Auslandsmessen die Messen hierzulande killen. Macht die Logimat nun den gleichen Fehler?

Peter Kazander: Nein! Der Fehler der Cemat liegt darin, so zu tun, als würde das Netzwerk an internationalen Messen im Sinne der Aussteller sein. Als ob der Aussteller in Hannover einen Vorteil davon hätte, auch Austeller in Shanghai zu sein.

Tauschen wir Hannover mit Stuttgart, dann gilt das doch auch für die Logimat.

Einspruch. Die Logimat ist bereits vom Grundkonzept her völlig anders.

Das heißt?

Lassen Sie mich bitte an die Anfänge zurückgehen: Wir haben seinerzeit ganz bescheiden auf dem Killesberg in Stuttgart angefangen und sind dann über die Jahre kreisförmig gewachsen. Wir haben immer kommuniziert und kommunizieren es heute noch, dass die Logimat in Stuttgart eine Plattform für Zentraleuropa ist.

Trotz der vielen asiatischen Aussteller?

Das Ganze hat mit dem Sitz des Headquarters eines Unternehmens wenig zutun. ‚Für Zentraleuropa‘ bedeutet, dass sowohl Käufer, also der Messebesucher, sowie Verkäufer, also der Aussteller, in Zentraleuropa Geschäfte machen wollen.

Wir hören heraus: Es wird also nie jemand nach Stuttgart oder nach Shanghai kommen, allein um die Logimat zu besuchen?

Ganz genau. Das Argument, dabei zu sein, speist sich einzig und allein aus der Vielfalt und der Qualität, die geboten werden – und dem Markt, in dem das Unternehmen aktiv sein möchte. Die Logimat ist nur die Plattform. Völlig irrelevant ist dabei das Argument einer so genannten Weltleitmesse. Dies sagt meiner Meinung nach genau so viel über die Qualität des Produktes aus, wie das Argument, die älteste Pizzeria in der Stadt zu sein. Wichtig, und das betone ich gern noch einmal, ist der Markt, in dem Aussteller und Besucher aktiv sind.

Wir haben verstanden, dass es in einer globalisierten Welt keine Weltleitmesse gibt, geben kann.

Ich habe schon seit 16 Jahren eine Aversion gegen den Terminus Weltleitmesse. Wenn ich mich als Weltleitmesse darstelle, rede ich nur über mich selber. Ich möchte aber mit den Kunden reden.

Kommen wir zurück zur Logimat. In China verfolgen Sie denselben Ansatz wie in Stuttgart?

Ja, wir gehen in eine wirtschaftlich prosperierende Stadt und wollen von dort für Ostchina, ganz China, ja Asien kreisförmig eine starke Plattform aufbauen.

Die Logimat China existiert bereits seit vier Jahren – allerdings in Nanjing. Wieso ging dieses Konzept dort nicht auf?

Wir waren damals der Meinung, dass, wenn wir in die stärkste Provinz Chinas gehen und dann in die dortige Hauptstadt, wir auf dem richtigen Weg sind.

Dem war offenbar nicht so?

Im Nachhinein gesehen, war das möglicherweise eine Fehleinschätzung.

Die dann ihre Konsequenzen nach sich zog?

Ja, ich habe am dritten Messetag der Logimat China 2017 relativ spontan entschieden: Wir machen Nanjing nicht mehr, wir gehen in eine der ganz großen Metropolen, Peking, Shanghai, Hongkong ...

Eine wohlüberlegte Spontanität?

Wie man es nimmt. (lacht) Wir haben noch auf der Messe eine Ausstellerumfrage gemacht mit einer vergleichsweise simplen Fragestellung: Was machen wir mit unserer Logimat China? Bleiben wir in Nanjing oder gehen wir in eine andere, größere Stadt – und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt?

Und, was machen wir?

Die Antwort, die wir erhalten haben, egal ob von nationalen oder auch internationalen Ausstellern, war: April, Shanghai!

Nun kennen wir Shanghai als internationalen Messestandort, der sicherlich gerade auf die Logimat gewartet hat.

Da haben Sie Recht. Auf die Schnelle eine Halle und einen geeigneten Termin zu finden war unmöglich. Wir konnten auf der anderen Seite aber auch nicht sagen, nun gehen wir doch wieder nach Nanjing. Deswegen haben wir 2018 ausgelassen.

Nun, 2019, aber doch Shanghai.

Ja, der Prozess, etwas Geeignetes zu finden, hat relativ lange gedauert. Unsere engen Kontakte zur Messe München haben uns zu der Überlegung gebracht, dass es doch eine saubere Sache wäre, wenn wir die Transport Logistik China und die Logimat China parallel nebeneinander laufen lassen.

Die Parallelität von Transport Logistik und Logimat klingt eher danach, als wenn es sich beißt.

Nein, das beißt sich ganz und gar nicht – es ergänzt sich eher. Es gibt selbstverständlich Überlappungen an der einen oder anderen Stelle, aber diese haben wir ausgemerzt. Wir kommen dadurch in eine Situation, in der wir sagen können: Es ist einmalig, das die zwei weltweit größten Logistikmessen nun in Shanghai unter einem Dach stattfinden. Für den Besucher bedeutet das: ein Ticket, zwei Messen.

Die gleiche Formulierung, ein Ticket, zwei Messen, haben wir bereits im Frühjahr dieses Jahres gehört – in Sachen Hannover Messe und Cemat.

Naja, in Hannover wurde die Cemat in die Industriemesse integriert – wobei von einer Integration nicht wirklich die Rede sein kann. Sie wurde eher daneben gelegt.

Das ist in Shanghai dann anders?

Ja, allein flächenmäßig ist das eine völlig andere Konstellation. Transportlogistik und Logimat werden in Shanghai ungefähr die gleiche Größe haben – egal ob der eine nun zehn Stände mehr hat als der andere. Aber wir werden im April kommenden Jahres zwei eigenständige Messen haben, die parallel zueinander stattfinden.

Wenn man der Eingangslogik folgt, wird es demnächst auch eine Logimat Nord- und Südamerika oder Indien geben.

Mit Sicherheit nicht. Ich wiederhole mich gern: Wichtig ist der Blick auf den Markt. In Nordamerika besteht meiner Meinung nach derzeit kein Bedarf – dieser Markt ist gut abgedeckt. Potential gibt es in der Tat in Südamerika. Dort ist aber die politische Situation im Moment recht instabil.

Und Indien?

Ich könnte mir zurzeit in der Tat noch interessantere, prosperierende Märkte in Asien vorstellen.

Zum Beispiel?

Darüber reden wir gern ein anderes Mal.

Herr Kazander, das machen wir! 
Und ganz herzlichen Dank 
für das Gespräch!

 

Hebezeuge Fördermittel 10/2018 PDF-Download (3.09 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger